Frauen in Führungspositionen

In Deutschland sind weibliche Führungskräfte in Schlüsselposition leider immer noch eine Ausnahme. Dies steht im krassen Gegensatz zu der Situation in den europäischen Nachbarländern. In Skandinavien und Frankreich ist es bereits seit Jahrzehnten üblich, dass Frauen Spitzenpositionen in der Wirtschaft innehaben. Die Gründe für diese Misere mögen sich vielfältig darstellen, nur eins steht fest: Wenn es nicht gelingt, an dieser Tatsache etwas zu ändern, werden in Zukunft große Probleme auf die deutsche Wirtschaft und Gesellschaft zukommen. Denn aufgrund der demographischen Entwicklung wird der Einsatz weiblicher Führungskräfte immer unentbehrlich werden.

Ursachen

Längst haben Mädchen und junge Frauen bei der Wahrnehmung von Bildungschancen aufgeholt: Heute gibt es mehr weibliche Abiturienten und Studenten als männliche. Allerdings gilt dies nicht für die besonders zukunftsträchtigen Studiengänge im naturwissenschaftlichen und technischen Bereich. Viele Karrieren von Frauen fangen auch recht vielversprechend an, sie zeigen als Trainees oder Berufseinsteiger in großen Unternehmen viel Ehrgeiz und Kompetenz. Aber dann, spätestens wenn der 30. Geburtstag gefeiert wird, rücken andere Themen in den Focus vieler junger Frauen: Bloß einen vernünftigen Mann abbekommen und nach Möglichkeit zwei Kinder in einem Einfamilienhaus großziehen – darin unterscheiden sich dann die hochgebildeten und scheinbar so emanzipierten Damen in nichts von der Generation ihrer Mütter oder Großmütter. Ist das Ziel erreicht worden, wird ambitionslos und leider oft auch ohne große Motivation bestenfalls noch halbtags gearbeitet, um sich das ein oder andere Extra leisten zu können und den Anschein der Unabhängigkeit aufrecht zu erhalten. Die Ausrede mangelnder Kinderbetreuungsmöglichkeiten oder fehlender Förderung gilt heute definitiv nicht mehr: Es hat sich in dieser Hinsicht in den letzten Jahren viel getan. In größeren Städten gibt es inzwischen ein flächendeckendes Netz an Tagesmüttern und Kindertagesstätten. Die meisten Unternehmen schätzen ihre weiblichen Mitarbeiter sehr, größere Konzerne haben extra Programme zum Aufbau von besonders qualifizierten Führungskräften initiiert, die leider viel zu wenig genutzt werden.

Chancen zur Veränderung

Damit in absehbarer Zeit mehr Frauen echte Führungsposition bekleiden, muss sich vor allem im Denken der Frauen selbst etwas ändern. Beruflicher Erfolg muss als Lebensziel einen genauso hohen Stellenwert erhalten wie eine glückliche Partnerschaft und Familie – übrigens ist das für die meisten Männer schon immer eine Selbstverständlichkeit gewesen! Keine Frau sollte sich in die auch recht entwürdigende Torschlusspanik drängen lassen, die unglückerweise auch noch in die Zeit fällt, in der die Weichen für große Karrieren gestellt werden. Und nicht zuletzt sollte das deutsche Mutterideal einmal überdacht werden: Wer sich die heutigen, zum Teil verhaltensgestörten und übergewichtigen Kinder und Jugendlichen anguckt, kann wohl nicht behaupten, dass die Betreuung durch nicht oder nur Teilzeit arbeitende Mütter ein durchschlagender Erfolg wäre.